Gewaltprävention

Was du willst treiben,

bei guter Vernunft sollst du bleiben.

 

Angebot

Der Fechtboden bietet das Gewaltpräventionstraining an, um Fechten als Kampfkunst zu erlernen. Fechten ist eine kontaktlose Form des Kämpfens und wird als Medium eingesetzt, um die persönliche Entwicklung von Jugendlichen zu fördern.

Fechten als Sport trainiert die Persönlichkeit auf vier Ebenen:

  1. Konditionelle Fähigkeiten und Fertigkeiten in Verbindung mit den physisch-organischen Voraussetzungen (Körperbau, Stütz- und Bewegungsapparat, Herz-Kreislauf-System, Muskeln, Nerven, Sinnesorgane und der jeweilige Entwicklungsstand der Kraft, der Schnelligkeit und der Ausdauer).
  2. Koordinativ-technische (bewegungsregulierende) Fähigkeiten (muskuläre Koordination, Bewegungsempfindung, Bewegungsvorstellung, Fähigkeit zur Steuerung der Bewegung).
  3. Strategisch-taktische Fähigkeiten, Fertigkeiten und Prozesse der Handlungsregulation (Empfinden, Wahrnehmen, Vorstellen, Denken)
  4. Um den Kern der drei oben beschriebenen bilden die psychischen Fähigkeiten und Fertigkeiten einen relativ eigenständigen Komplex, der die anderen drei Bereiche beeinflusst. Hierbei zählen die psychologischen Beeinflussungsfaktoren der Kognition (Planen, Bewerten, Entscheiden), der Motivation (Interessen, Ziele, Wünsche, Erwartungen) und der Emotion (Freude, Ärger, Sicherheit, Unsicherheit).

 

Fechten als Gewaltprävention folgt drei Grundannahmen:

1. Reguliertes Ausleben von Emotionen und Aggressionen

Sport ist ein Feld, in dem Emotionen und Aggressionen sozialverträglich ausgelebt werden können. Im Sport wird dies durch ein Regelwerk gesteuert und durch ein System entsprechender Sanktionen erfolgt eine Affektregulation.

2. Sport als Mittel zum Zweck

Bestimmte Aspekte der Gewaltprävention sind im Sport als Handlungsfeld strukturell angelegt. Das heißt der Sport mit seinem Regelwerk vermittelt strukturell bestimmte Werte (Teamgeist, Fairness, Verantwortung, Respekt). Damit dies gelingt, wird das Präventionsangebot sozialpädagogisch gestützt und durch Interventionen aktiviert. In der Kombination Kampfkunst und Pädagogik wird Fechten ein komplementäres Instrument, um Verhaltensänderungen und Sozialisation zu steuern.

3. Sport als Feld des sozialen Lernens

Sport ist ein Feld des sozialen Lernens, in dem bestimmte Werte, Erfolgserlebnisse, Sinnorientierung und ein besseres Körpergefühl vermittelt werden können.

 

Zielgruppe

2013 in Timmel

Das Leistungsangebot findet im Rahmen der tertiären Prävention statt und richtet sich an Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren, die bereits straffällig geworden sind. Ziel ist es hier einen Rückfall zu vermeiden. Unterschieden wird hier nicht zwischen den Delikten. Das Angebot wird grundsätzlich gemischtgeschlechtlich durchgeführt, kann auf Wunsch auch als reines Jungentraining durchgeführt werden.

Das Angebot bezieht sich auf eine geschlossene Gruppenarbeit mit maximal 8 Teilnehmern. Teilnehmen können Jugendliche, die durch das Amtsgericht im Zusammenwirken mit der Jugendgerichtshilfe des Landkreises Aurich dem Trainingsangebot zugewiesen werden. Die Teilnahme erfolgt auf Grundlage bedingter Freiwilligkeit, sich sportlich zu betätigen. Um die Wirksamkeit des Präventionsangebots zu gewährleisten,  wird eine regelmäßige Teilnahme vorausgesetzt.

Von diesem Regelangebot ausgenommen sind junge Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung. Bei Bedarf kann für diese Zielgruppe ein gesondertes Training angeboten werden.

 

Ziele

Das Gewaltpräventionstraining verfolgt die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung. Insbesondere sind hier zu nennen:

  • Förderung der Partizipation und Selbstverantwortung
  • Förderung der Selbstwirksamkeit
  • Förderung sozialer Kompetenzen
  • Förderung der Selbstkontrolle und der Selbstdisziplin
  • Vermittlung von Werten wie Respekt, Toleranz und Fairness
  • Umgang mit Regeln
  • Stärkung der Körperwahrnehmung

Stärkung des körperlichen Selbstwertgefühls und der Selbstbehauptung.

 

Zeitraum

Das Gewaltpräventionstraining läuft über 10 Wochen mit einem wöchentlichen Training von 1,5 Zeitstunden (2 Fachleistungsstunden).

 

Inhalt und Methode

Zentrales Element ist der Fechtsport mit der Zielsetzung der Persönlichkeits-förderung. Obwohl die Themen Konkurrenz und  Leistungsvergleich immer eine Rolle spielen, geht es hier nicht um Wettkampforientierung und Leistung des regulären Fechttrainings.

grundhaue

Die Gewaltprävention steht auf zwei methodischen Säulen:

  • Fechten
  • Sozialtraining

Der fechterische Teil folgt der fachsportlichen Struktur  Aufwärmung, Beinarbeit, Techniktraining (Lektion oder Partnerübung), Freikampf. Hier werden die inhaltlichen und methodischen Instrumente des modernen Fechtsports angewendet. Um den gewaltpräventiven Charakter zu gestalten werden hierzu ausgewählte Techniken und Taktiken angewendet und so immer wieder der Bezug zur eigenen Gewalt hergestellt. So stellt der Fechtsport für sich selbst ein persönlichkeitsbildendes Element dar.

Im Bereich des Sozialtrainings wird eine Übersteuerung der Gefühle situationsbedingt verarbeitet und durch Intervention innerhalb der Übungen aktiv gesteuert. Im Anschluss an jede Trainingseinheit wird ein Reflexionsgespräch geführt, um die individuellen Erlebnisse aufzuarbeiten. Theoretische Einheiten zum Regelwerk, der Sanktionierung der Regelverstöße runden das Training ebenso ab wie die Vermittlung von Werten, der Ethik des Fechtens.


Inhaber: Martin Helmke

Der Fechtboden ist Mitglied in folgenden Fachverbänden:  


DDHF

 


SchwertRing

 


Fechtverband Niedersachsen